Perspektivwechsel auch in Krisenzeiten

Am Donnerstag ist es endlich soweit. Und wir müssen ehrlich zugeben: Wir sind doch etwas aufgeregt. Es ist schon ein komisches Gefühl, mit einer unbekannten Person, seinen Arbeitsplatz zu tauschen. Und wie wird es werden, wenn wir für einen ganzen Tag eine völlig andere Arbeit leisten? 

Am 16.09.2021 ist bundesweit der Aktionstag "Schichtwechsel". 
Diesmal findet der gegenseitige Austausch unter strengen Hygienemaßnahmen statt. An diesem Tag geht es darum, die Verbindung zwischen Industrie und Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen zu stärken. So lautet der offizielle Aufruf. Und VfJ hat uns dazu eingeladen. VfJ steht für die Vereinigung für Jugendhilfe e.V. und ist seit über 30 Jahren einer unserer verlässlichsten Dienstleister. Es wird also Zeit, dass wir nicht nur hinter die Kulissen schauen können, sondern uns auch auf persönlicher Ebene einmal kennenlernen. 

Seit Beginn der 90er-Jahre produzieren die Kolleginnen und Kollegen der  VfJ-Werkstätten für uns sehr zuverlässig und mit sehr hoher Qualität ganz unterschiedliche Produkte. Sie bearbeiten einzelne Bauteile und fertigen auch ganze Produkte aus Metall und Kunststoff nach unseren konkreten Vorgaben. Inzwischen sind es mehr als 100 verschiedene Produkte. Das bekannteste darunter ist vermutlich unser begehrtes Tellurium.  Ehe ein Mitarbeiter bei VfJ die präzisen Teile eines Telluriums bauen darf, durchläuft er wie alle anderen dort eine 2-jährige Ausbildung. Die Arbeitsplätze in den Werkstätten bei VfJ sind bereits während der Ausbildungszeit hoch begehrt, denn sie erlauben den Umgang mit industriegleichen Maschinen und verschiedenen spannenden Fertigungsbereichen. Zudem ermöglichen sie Menschen mit und ohne Beeinträchtigung miteinander, nebeneinander und vor allem auf Augenhöhe zu arbeiten. Die Fähigkeit eines jeden Einzelnen steht dabei im Mittelpunkt. Und genau diese besondere Fähigkeit wird im Arbeitsalltag und -ablauf aufgegriffen und genutzt. Das ermöglicht uns, eine Realisierung der speziellen Ansprüche unserer Produkte. Hier kann z. B. ein in unserer Werkstatt  gefertigter Prototyp in die Serienproduktion gehen und somit genau die Anforderungen erfüllen, die er im jeweiligen Fach-Unterricht braucht.

Wir sind sehr dankbar für die so erfolgreiche und zuverlässige Zusammenarbeit und freuen uns auf unseren gemeinsamen Tag!

Und so war unser Tag:

Bei uns in der Holzhauser Straße in Berlin war Oliver zu Besuch. Dafür waren unsere Kollegen Irfan und Matthias bei VfJ. "Ich finde es verblüffend, was sie alles herstellen.", meinte Irfan und "Man sieht einfach, was sie alles können. Sie können genauso gut arbeiten wie wir. Das haben sie uns gestern gezeigt." "Wenn sie in der Ausbildung ihre Stärken herausgearbeitet haben, sind sie echt krasse Mitarbeiter. Mitunter sind sie bei einzelnen Abläufen sogar schneller als eine Maschine." schob Matthias gleich hinterher. Beide sprudelten voller Begeisterung und schwärmten von den großen CNC-Maschinen und vor allem der guten Laune während der Arbeit. Irfan hat an diesem Tag die Arbeit von Oliver übernommen. ">Er hat diese geschafft und ist von den Kollegen vor Ort mächtig gelobt worden. Das fand er toll und einfach super sympatisch. Und genau so war auch der gesamte Tag: ein gut gelauntes Miteinander und auf Augenhöhe arbeiten.

Während dessen hat Oliver (auf dem Bild in blauer Latzhose) uns besucht. Das gemeinsame Experimentieren hat ihm sichtbar viel Spaß gemacht. Oliver hat sehr interessiert ausprobiert, wie die von ihm hergestellten Produkte bei uns im Experiment funktionieren. "Toll zu sehen, wozu das dient. Wir wissen das ja sonst gar nicht." Und auch er hat nicht nur ein dickes Lob für seine Arbeit in unserer Werkstatt erhalten: "Oliver ist ein cooler Junge!", sind sich alle einig.


"Ich wünsche mir, dass im nächsten Jahr mehr Leute zu uns kommen, um zu sehen was aus den Rohmaterialien wird, die sie für uns bearbeiten." Wir alle finden, dass Matthias mit seinen Worten den Nagel auf den Kopf getroffen hat und freuen uns jetzt schon auf den Austausch im nächsten Jahr!